Teil I: Zwischenfrucht vor Herbstkultur
Der Anbau von Zwischenfrüchten bietet viele Vorteile und ist ein Grundprinzip des biologischen Landbaus. Doch welche Zwischenfrüchte kommen vor einer Herbstkultur infrage?
Zwischenfrüchte können Beikräuter unterdrücken, Nährstoffe für die Folgekultur erschließen und speichern, Humus aufbauen, die biologische Aktivität im Boden steigern und damit bodenbürtige Krankheiten reduzieren sowie Bodenerosion vorbeugen. Die sich verändernden Klimabedingungen machen den Zwischenfruchtanbau noch wichtiger. Hitze und Trockenheit bremsen die Mineralisierung im Boden. Setzen anschließend Niederschläge ein oder wird der Boden bearbeitet, läuft sie wieder verstärkt ab, und das Risiko, dass freigesetzte Nährstoffe ausgewaschen werden, steigt.
Ein wesentlicher Vorteil einer Zwischenfrucht ist die Zunahme der biologischen Aktivität der im Boden lebenden Mikroorganismen. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen konnte dies nachweisen, indem sie Brachen, Senf-Reinsaat und Zwischenfruchtmischungen miteinander verglich. Insbesondere bei den Mischungen konnten eine höhere Biodiversität und eine erhöhte Anzahl von Bakterien und Pilzen nachgewiesen werden. Die im Boden lebenden Bakterien und Pilze erhalten Nährstoffe über die Wurzelausscheidungen der Zwischenfrüchte sowie aus dem im Boden vorhandenen organischen Material. Die Nährstoffe werden gebunden und erschlossen. Dabei wirken unterschiedliche Prozesse. So verbessern Pseudomonas-Bakterien beispielsweise die Eisenverfügbarkeit, indem sie spezielle eisenbindende Moleküle produzieren, die unlösliches Eisen im Boden binden. Durch diese Verbindungen wird das Eisen für die Pflanzen verfügbar, das Wurzelwachstum wird angeregt und das Immunsystem der Nutzpflanzen gestärkt. Dabei haben verschiedene Zwischenfrüchte unterschiedliche Kompetenzen. So sind Buchweizen und Phacelia dafür bekannt, organisch gebundenen Phosphor aufzuschließen und für die Folgekultur bereitzustellen. Durch die Kombination verschiedener Zwischenfruchtarten in einer Mischung entwickelt sich auch eine größere Vielfalt an Mikroorganismen im Boden.

Abbildung 1: Insbesondere Zwischenfruchtmischungen haben sich bewährt. Hier: Phacelia, Sonnenblume, Öllein und Buchweizen. Bildquelle: BLE / Weiler
Die Liste der Vorteile ließe sich endlos führen, doch es gibt auch Risiken. Insbesondere bei der Nutzung von Zwischenfrüchten mit kurzer Entwicklungszeit (Senf, Buchweizen) und frühen Aussaatterminen, sowie trockenen Bedingungen im Frühherbst, können Samen ausfallen und Durchwuchs kann in den Folgekulturen zum Problem werden. Deshalb ist eine sorgfältige Auswahl und ggf. auch eine Pflege der Zwischenfrüchte, unter Beachtung der Fruchtfolge, entscheidend.
Die Stellung in der Fruchtfolge
Insbesondere wenn eine Zwischenfrucht vor einer Herbstkultur steht, ist Durchwuchs weniger ein Problem – aber es muss schnell gehen. Vor Herbstkulturen sind schnellwachsende Arten gefragt, die in kurzer Zeit viel Biomasse bilden. Bewährt haben sich Mischungen aus Buchweizen, Lein, Phacelia, Sonnenblume, Ramtillkraut, Ölrettich und Erbsen. Die Verwendung einer Mischung, im Gegensatz zur Einzelsaat, bringt den Vorteil, dass selbst bei ungünstigen Bedingungen die Ansprüche einzelner Arten noch erfüllt werden und sich die Arten gegenseitig ergänzen. Der beikrautunterdrückende Effekt von Mischungen übertrifft den von Reinsaaten. Die oben genannte Mischung kann zudem ergänzt werden. Insbesondere, wenn die Zwischenfrucht zwischen zwei Getreidearten steht, kann eine Leguminose der Mischung beigefügt werden (z.B.: Sommerwicke, Sommererbse, Alexandrinerklee oder Bockshornklee). Vor einer Wintererbse können statt Leguminosen, Gräser wie Sandhafer oder Sorghum ergänzt werden.
Aussaat und Umbruch der Zwischenfrucht
Die Saattiefe sollte bei maximal 2 cm liegen und das Saatgut sollte gut angewalzt werden, damit die Samen Bodenschluss haben. Um die Mineralisierung so gering wie möglich zu halten, sollte die Bodenbearbeitung so flach wie möglich erfolgen. Wenn die Standortbedingungen es zulassen, ist eine Direktsaat in die Stoppel die bodenschonendste Variante. Damit die Folgekultur nicht durch Nährstoffkonkurrenz und Abbauprozesse beeinträchtigt wird, müssen abhängig vom C/N-Verhältnis mindestens zwei Wochen zwischen Einarbeitung der Zwischenfrucht und Aussaat der Herbstkultur liegen.
In Hinblick auf die positiven Effekte der Zwischenfrucht auf die Folgekultur gilt es jedoch keine Wunder zu erwarten. Gerade vor einer Herbstkultur ist die Entwicklungszeit kurz. Positive Effekte auf die Nährstoffverfügbarkeit und Bodenstruktur lassen sich meist erst nach mehreren Zwischenfruchtanbauphasen nachweisen. Zwischenfrüchte haben somit einen positiven Effekt auf die gesamte Fruchtfolge und müssen als Puzzleteil in einem ganzheitlich gedachten System gesehen werden. Bei weiteren Fragen zum Zwischenfruchtanbau melden Sie sich gerne bei unserem Beraterteam. Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier.
