Körnerleguminosen erfolgreich anbauen

Abendfeldbegehung unterstreicht Bedeutung von Kultur- und Sortenwahl

Am 30. Juni fand in Weicherdingen auf der Fläche des Bio-Betriebs Rossler eine Abendfeldbegehung zum Thema Körnerleguminosen statt. Obwohl der Anbau letzterer zahlreiche ökologische Vorteile bietet und Körnerleguminosen aufgrund des hohen Proteingehalts einen wichtigen Beitrag zur globalen Proteinversorgung leisten können, ist der Anbauumfang in Luxemburg weiterhin sehr gering.

Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen des EU-Projekts OrganicYieldsUP die wichtigsten Einflussfaktoren und Stellschrauben für einen erfolgreichen Anbau von Körnerleguminosen vorgestellt. Eine der entscheidenden Maßnahmen ist eine wirksame Beikrautregulierung, da Körnerleguminosen in der Jugendentwicklung zunächst nur eine geringe Konkurrenzkraft gegenüber Beikräutern besitzen. Weitere ertragsbegrenzende Faktoren sind Wurzelschäden und eine geringe Knöllchenbildung u. a. infolge pilzlicher Schaderreger. Diese treten insbesondere bei einem hohen Anteil von Leguminosen in der Fruchtfolge auf. Deshalb ist die Einhaltung ausreichender Anbaupausen von großer Bedeutung. Diese liegen bei Körnererbsen bei sechs bis zehn Jahren. Zu anderen Leguminosen, wie Kleegras, sollten mindestens drei bis vier Jahre eingehalten werden.

Die Auswahl der richtigen Sorte kann bei diesen Problemen helfen. In der biologischen Sortenprüfung, die vom IBLA – mit technischer Unterstützung des LTA – durchgeführt wird, und vom Ministère de l’Agriculture, de l’Alimentation et de la Viticulture sowie der Oeuvre Nationale finanziert wird, werden seit 2016, unter anderem die Fähigkeit von Sommererbsen- und Lupinensorten zur Beikrautunterdrückung sowie die Pflanzengesundheit analysiert und bonitiert. Die Sommererbsen zeigten deutlichen Stress durch die hohen Temperaturen und die langanhaltende Trockenheit über den Juni. Es ist mit Ertragseinbußen zu rechnen. Besonders zuverlässig zeigt sich schon seit vielen Jahren die Sorte Astronaute von der Saaten Union, welche auf der luxemburgischen Sortenliste eingetragen ist. Vielversprechend zeigen sich zudem die Sorten Iconic und Helium, beide ebenfalls von der Saaten Union.

Von den Süßlupinen werden in Luxemburg die schmalblättrige (blaue) Lupine und die breitblättrige (weiße) Lupine getestet. Bei den schmalblättrigen Lupinen ist seit 2024 die Sorte Bolero von IG Pflanzenzucht eingetragen. Sie überzeugt auch weiterhin mit einem guten Ertrag und einem guten Proteingehalt. Die zwei Sorten Boregine und Probor von Saatzucht Steinach zeigen ähnliche Ergebnisse, Probor jedoch mit deutlichem Fokus auf Protein. Celina und Frieda von DSV sind die zwei bekanntesten breitblättrigen Sorten, da sie zuverlässige Erträge liefern und anthraknosetolerant sind. Vielversprechend ist jedoch auch die Sorte SM Belter des polnischen Züchters Hodowla Roslin Smolice. Sie zeigte in den vergangenen zwei Jahren die höchsten Erträge bei gleichzeitig höchstem Proteingehalt. Auch bei den Lupinen ist mit Ertragseinbußen durch die Witterung zu rechnen.

In besonders trockenen Regionen kann dem Risiko von Ertragseinbußen durch den Anbau trockenheitstoleranter Kulturen, wie der Kichererbse oder der Linse, begegnet werden. Im Rahmen der Feldbegehung wurden erste Erfahrungen aus Anbauversuchen mit diesen Kulturen vorgestellt. Die Kichererbse bevorzugt ein warmes, sonniges Klima sowie gut erwärmbare, leichte Böden. Während der Keimung besitzt sie einen vergleichsweise hohen Wasserbedarf, kommt nach dem Auflaufen jedoch mit deutlich geringeren Niederschlagsmengen aus und gilt insgesamt als trockenheitstolerant. Die Linse hat ähnliche Standortansprüche, ist aber, aufgrund der schlechten Standfestigkeit, möglichst im Gemenge anzubauen. Bei der Ernte von beiden Kulturen sind Kompromisse einzugehen und das Erntegut muss innerhalb von 24 Stunden auf 11-13 % Restfeuchte getrocknet werden.

Abbildung 1:  Kirchererbsensorten im Vergleich. Quelle: IBLA

Die Veranstaltung hat einmal mehr hervorgehoben: Die standortgerechte Auswahl von Kulturen und Sorten leistet einen entscheidenden Beitrag zur Ertragsstabilität und damit zum erfolgreichen Anbau von Körnerleguminosen.

Autorin: Charlotte Junker