Winterroggen als Option?
Der Klimawandel stellte die Luxemburger Landwirtschaft in diesem Sommer auf eine harte Probe. Die Erträge von Acker und Grünland bleiben hinter den Erwartungen zurück und die Etablierung einer passablen Zwischenfrucht stellte sich als sehr herausfordernd dar. Bei früher Aussaat sind die Bestände zum Teil gekeimt und anschließend vertrocknet. Doch was tun auf solchen Parzellen? Und was tun, um dem Futtermangel zu begegnen? Warum nicht auf eine Kultur setzen, die in trockeneren Regionen und auf ärmeren Böden immer schon eine wichtige Rolle spielte: Roggen.
Die Vorteile des Roggens sind vielfältig. Roggen weist eine gute Winterhärte auf und ist robust. Roggen keimt auch bei später Saat zuverlässig. Zudem kann er Stickstoff, der durch die Trockenheit verspätetet mineralisiert wurde, gut verwerten und nutzt die Winterfeuchte optimal aus. Er startet im Frühjahr früh mit dem Wachstum und ist eine gute Vorfrucht, da er einen garen Boden hinterlässt. Maisbetonte Fruchtfolgen können mit ihm aufgelockert werden. Zudem ist Roggen für sein allelopathisches Potenzial bekannt, d. h. durch das Ausscheiden von sekundären Pflanzenstoffen hemmt er das Auflaufen von Beikräutern.
Roggen kann nicht nur als klassische Ganzpflanzensilage (GPS), sondern auch als früher geernteter Grünroggen genutzt werden. Untersuchungen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) haben gezeigt, dass Silomais nach Grünroggen noch etwa 80 % des Ertrags von Mais in Hauptfruchtstellung erreichen kann – wenn die Bedingungen optimal sind. So könnte Grünroggen dazu beitragen Futterlücken zu schließen.
Roggen hat ein schlechtes Image
Roggen kann als Grünroggen oder GPS, aber auch als Druschfrucht genutzt werden. Leider ist Roggen mit einem negativen Image behaftet. Als Gründe werden das Risiko eines Mutterkornbefalls und eine mögliche appetithemmende Wirkung angeführt. Durch eine geeignete Sortenwahl lässt sich das Mutterkornrisiko jedoch reduzieren. Bei kontrollierter Verwendung und angepasster Rationsgestaltung ist Roggen gut als Futtermittel geeignet. Es ist jedoch zu beachten, dass die im Roggen enthaltene Stärke im Vergleich zur Stärke von Körnermais oder Gerste schnell abgebaut werden kann. Hinzu kommt, dass Roggen einen höheren Zuckeranteil enthält, was die Vermehrung der Mikrooben im Pansen fördert. Es ist also darauf zu achten, den Gesamtstärkegehalt der Ration und die Stärkeverfügbarkeit der verschiedenen Stärkekomponenten zu kalkulieren und die Tiere langsam an den Roggen zu gewöhnen. Roggen weist im Durchschnitt einen niedrigeren Proteingehalt als die meisten anderen Getreidearten auf. Er kann daher insbesondere in eiweißreicheren Rationen als energiereiches Getreide eingesetzt werden.
Aussaat
Roggen ist hinsichtlich des Standorts anspruchslos. Ist bereits eine Stoppelbearbeitung erfolgt bzw. war das Saatbett bereits für eine Zwischenfrucht, die vertrocknet ist, vorbereitet, kann direkt gesät werden. Die Aussaat sollte so bald wie möglich erfolgen. Roggen sollte als Lichtkeimer möglichst flach gesät werden. Bei schwierigen Bedingungen kann Roggen zur Not auch breitflächig ausgebracht werden (Düngerstreuer); für eine gleichmäßige Bestandsetablierung ist jedoch eine präzise Aussaat mit ausreichendem Bodenschluss vorzuziehen.
Grünroggen oder klassische GPS?
Soll der Roggen grün geerntet werden, sollte die Ernte zum Zeitpunkt des Ährenschiebens erfolgen. Insbesondere bei hohen Düngergaben und auf wüchsigen Standorten geht Roggen ins Lager – deshalb lieber früher schneiden als zu spät, auch um eine gute Verdaulichkeit des Futters zu erhalten. Durch seinen frühen und kräftigen Wuchs nutzt er das Winterwasser so effizient aus, dass sich dies nachteilig auf die Folgefrucht auswirken kann. Zu bedenken beim früheren Schnitt ist, dass durch die noch niedrigen Trockensubstanzgehalte im Frühjahr, Grünroggen nicht direkt geerntet werden kann, sondern zuvor angewelkt sein sollte. Bei einer klassischen Getreide-GPS kann später geerntet werden (Stadium: Milch- und mittlere Teigreife), um höhere Erträge sowie Stärkegehalte in der Silage zu erzielen. Die Etablierung einer Folgefrucht ist dann jedoch, insbesondere in trockenen Jahren, kaum noch möglich. Hier wäre eine Grasuntersaat zu empfehlen, die nach der GPS-Ernte weiterwachsen kann.

Roggen ist eine hervorragende Deckfrucht für eine Untersaat – die auch im Frühjahr in einen bereits etablierten Bestand eingebracht werden kann Bild: IBLA
Zwischenfrucht, Grünroggen, GPS mit Untersaat oder Körnernutzung? Von der Saat bis zur späteren Nutzung flexibel bleiben
Die Klimabedingungen in diesem Jahr haben erneut gezeigt, wie wichtig es ist, sich an die gegebenen Bedingungen anzupassen. Schon bei einer Roggenansaat, insbesondere bei Spätsaat, wüchsigen Standorten und ungenügender Saatbettvorbereitung ist Flexibilität gefragt. Bei anspruchsvollen Folgefrüchten kann Roggen als Zwischenfrucht genutzt werden und eingearbeitet werden.
Stimmen das Timing sowie die Nutzungsmöglichkeit, kann der Roggen als Grünroggen oder GPS genutzt werden. Ob eine Körnernutzung möglich ist, bestimmen Standort, Düngung, Witterung sowie die Folgefrucht. Es gibt spezielle Sorten für den GPS-Anbau bzw. für den Körneranbau. Will man flexibel bleiben, bieten sich Doppelnutzungssorten wie SU Perspektiv, SU Karlsson oder SU Performer an, welche in den Sortenprüfungen auch bei den Kornerträgen überzeugen.
Egal, ob als Zwischenfrucht, Grünroggen, klassische GPS oder als Korn genutzt, Roggen ist in jedem Fall eine Überlegung wert.
