Kleegras ohne Kühe

Eine Herausforderung für viehlose Betriebe
Feldfutter als Ackergras, mehr aber noch in Form von Klee- oder Luzerne-Gras, ist ein „Motor“ für den Aufbau und Erhalt der Bodenfruchtbarkeit.Feldfutter als Ackergras, mehr aber noch in Form von Klee- oder Luzerne-Gras, ist ein „Motor“ für den Aufbau und Erhalt der Bodenfruchtbarkeit.

Das Feldfutter wirkt hierbei zweifach: Zunächst direkt auf dem Feld durch ober- und unterirdische organische Stoffe wie Wurzelausscheidungen, Wurzelumsatz sowie oberirdischen Stängel- und Blattrückständen. Zum Zweiten nach seiner „Veredelung“ durch Wiederkäuer zu wertvollem Mist und Gülle für Acker und Grünland. Viele Studien zeigen, dass die positive Wirkung des Mistes von Wiederkäuern auf die Bodenfruchtbarkeit kaum zu überbieten ist.

Gerade im ökologischen Landbau ist die Stickstoffversorgung eine zentrale Herausforderung. Mineralische Stickstoffdünger stehen nicht zur Verfügung, weshalb Leguminosen eine entscheidende Rolle spielen. Mithilfe ihrer Fähigkeit der biologischen Stickstofffixierung durch Knöllchenbakterien tragen sie maßgeblich zur Stickstoffversorgung ganzer Fruchtfolgen bei.

Den wesentlichen Beitrag zur Stickstoffbilanz liefert Kleegras, wohingegen Körnerleguminosen hinsichtlich der Stickstoffbilanz als neutral zu bewerten sind. Darüber hinaus fördert Kleegras den Humusaufbau, unterstützt die Beikrautunterdrückung und verbessert die Bodenstruktur. Damit ist Kleegras weit mehr als eine reine Futterpflanze. Es ist ein zentraler Bestandteil einer leistungsfähigen und nachhaltigen Fruchtfolge.

Kleegras – die Basis funktionierender Fruchtfolgen.

Es zeigt sich, dass eine zunehmende Spezialisierung hinzu viehlosen Betrieben sowie sich verändernde Ernährungsgewohnheiten den Anbau von Feldfutter unattraktiver machen. Wenn der Verwendungszweck als Viehfutter abnimmt, verliert Kleegras aus betriebswirtschaftlicher Sicht an Bedeutung. Hinsichtlich der Bodenfruchtbarkeit ist der Rückgang oder der Wegfall des Kleegrasanteils jedoch fatal.

Auch landwirtschaftliche Betriebe Luxemburgs sind von einer fortschreitenden Spezialisierung geprägt. Zunehmend finden sich viehlose oder vieharme Betriebe. Im Gegensatz zu Gemischtbetrieben ist hier die Nutzung des Kleegrases als Viehfutter nicht möglich. Gleichzeitig bleiben die Funktionen des Kleegrases für die Fruchtfolge und die Bodenfruchtbarkeit unverändert wichtig. Hier entsteht ein Spannungsfeld: Der Boden braucht Kleegras, der Betrieb braucht jedoch sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten.

Doch wohin mit dem Kleegras, wenn die Kühe fehlen?

Da die innerbetriebliche Nutzung von Kleegras als Viehfutter auf viehlosen Betrieben wegfällt, müssen andere effiziente Lösungen gesucht werden. Häufig findet die Verwertung im Rahmen von Futter-Mist-Kooperationen statt. Doch auch diese Möglichkeit wird durch die zunehmende Zahl an viehlosen Betrieben langfristig eingeschränkt, da nicht jeder Betrieb eine passende Kooperation in der Region finden wird.

Das Projekt KNuVieh – Kleegrasnutzung im viehlosen Betrieb wird der Frage nachgehen, wie Kleegras auch ohne eigenen Viehbestand sinnvoll in den Betriebskreislauf integriert werden kann. So sollen Möglichkeiten der Kleegrasnutzung aufgezeigt werden und praxisnahe Lösungen mit LandwirtInnen erarbeitet werden. Das Projekt richtet sich nicht nur an viehlose Betriebe, sondern auch an solche, die Interesse an neuen Wegen haben, sich aktiv einbringen oder einfach nur informieren möchten.

Haben wir Ihr Interesse an dem Projekt geweckt oder haben Sie Fragen und Anregungen? Dann freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme unter theis@ibla.lu.

Das Projektwird durch das MAAV als bottom-up EIP-Projekt von Juli 2026 bis Ende 2028 gefördert.

AutorInnen: Tabea Theis & Thorsten Ruf