Biologische Pflanzen­schutzmittel: Hoffnungs­träger ohne Lobby

Biologische Lösungen im FiBL Focus Podcast

Vorbeugende Maßnahmen wie Biodiversität, geeignete Fruchtfolgen, robuste Sorten und die Förderung von Nützlingen sind zentral, um die Pflanzengesundheit zu sichern. Doch sie reichen nicht immer aus. Klimawandel und neue Schadorganismen erhöhen den Druck auf die Kulturen. Der Bedarf an zusätzlichen Strategien wächst. Wirksame biologische Lösungen sollen gezielt wirken, gleichzeitig Umwelt, Nützlinge und Bodenleben schonen und dabei wirtschaftlich rentabel sein. Doch wie ist das machbar?

Hier setzt die Forschung an: Gesucht sind neue biologische Pflanzenschutzmittel. Ein Beispiel ist das Projekt TASSILI, welches das Institut für Biologische Landwirtschaft und Agrarökologie (IBLA) gemeinsam mit dem Luxembourg Institute of Science & Technology (LIST) und der Université de Reims Champagne-Ardenne realisiert hat. In diesem Projekt werden natürliche Wirkstoffe aus Hülsenfrüchten untersucht. Konkret geht es um sogenannte Saponine aus Ernterückständen. Diese Pflanzeninhaltsstoffe hemmen Pilzkrankheiten und könnten künftig als biologische Fungizide genutzt werden. Ziel des Projektes ist es, langfristig die chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel im konventionellen Anbau zu reduzieren. Es gibt viele Beispiele für biologische Verfahren, die sich so gut bewährt haben, dass sie auch im konventionellen Anbau bereits umgesetzt werden. Ein bekanntes Beispiel sind Pheromone, die flächendeckend z.B. gegen Traubenwickler im Weinbau eingesetzt werden.

Im Projekt TASSILI wird besonders die fungizide Wirkung der Saponine untersucht. Unter anderem wurde die Wirkung auf Botrytis (Graufäule) bei Weinreben und auf die Streifenkrankheit im Getreide getestet. Von Anfang an die Wirtschaftlichkeit im Blick zu behalten ist dabei unabdingbar. Denn die Verfügbarkeit und die Kosten für das Ausgangsmaterial sind ein entscheidender Faktor für die Markteinführung. So ist zwar bekannt, dass die Wirkung der Süßholzwurzel gegen verschiedene Krankheiten ausgezeichnet ist, und so wurde sie zwischenzeitlich auch als Kupferersatzprodukt gehandelt, jedoch ist ihre Verfügbarkeit begrenzt und ihr Preis hoch, was sie uninteressant für Pflanzenschutzmittelhersteller macht. Anders bei Leguminosenstroh, welches als Reststoff in großen Mengen anfällt und somit leicht verfügbar ist.

Das Stroh von Leguminosen ist in großen Mengen verfügbar und kostengünstig. Foto: IBLA

Doch die Entwicklung solcher Mittel ist komplex. Von der Identifizierung geeigneter Wirkstoffe über Labor- und Feldversuche bis hin zur Zulassung ist es ein langer Weg. Auch auf Pflanzenextrakten basierende Pflanzenschutzmittel müssen hinsichtlich ihrer Toxizität und Umweltwirkung untersucht werden. Die Tatsache, dass ein Stoff natürlichen Ursprungs ist, bedeutet nämlich nicht automatisch, dass er auch ungefährlich ist. In Hinblick auf die Ökonomie ist die Entwicklung der Mittel ebenfalls anspruchsvoll. Insbesondere Wirkstoffe, die auf Pflanzen basieren, sind schwer patentierbar, da sie von Charge zu Charge unterschiedliche Zusammensetzungen aufweisen können und somit kaum standardisierbar sind. Dies ist auf der einen Seite wünschenswert, damit es weiterhin möglich ist, auf dem eigenen Hof bewährte Mittel aus z.B. Ackerschachtelhalm oder Brennnesseln selbst herzustellen. Andererseits ist es kaum interessant für Pflanzenschutzmittelhersteller in Produkte zu investieren und den umfangreichen und millionenschweren Prozess einer Pflanzenschutzmittelzulassung zu durchlaufen, wenn nicht absehbar ist, dass das eingesetzte Kapital nach der Zulassung auch entsprechende Gewinne einbringt.

In der FiBL Focus Podcast Folge zu diesem Thema kommen Stéfanie Zimmer und Hanna Heidt (beide IBLA) zu Wort sowie Barbara Thürig (FiBL), die u.a. auf Kupferersatzprodukte eingeht. Diese Podcast Folge vermittelt einen umfassenden Einblick, wie aufwendig der Prozess ist, biologische Pflanzenschutzmittel herzustellen, warum es oft Jahre dauert, bis ein neues Produkt in der Praxis ankommt, und weshalb selbst wirksame Mittel oft nicht auf den Markt kommen.

Das Projekt TASSILI wird unterstützt durch den Luxembourg National Research Fund (FNR) (O22/17207949) und die Œuvre Nationale.

Hier finden Sie den Podcast zum Nachhören.

Autorinnen: Hanna Heidt & Sonja Kanthak