Ein (fast) entspanntes Weinjahr 2025
Hier lesen Sie Teil 1 der Interviewserie, die wir zum Weinjahr 2025 durchgeführt haben. Zu Wort kommen Tunn Goedert von der Domaine 64 in Lintgen und Stéphane Singery von der Domaine Clos Jangli in Erpeldange.
Wie ist das Weinjahr 2025 für Euer Weingut gelaufen?
Tunn Goedert: Es war – im Vergleich zu 2024 – ein entspanntes Weinjahr. Es waren deutlich weniger Pflanzenschutzbehandlungen notwendig und der Mittelaufwand war deutlich geringer. Es ist uns gelungen, unsere Reben und Trauben bis zur Ernte komplett befallsfrei von Peronospora und Oidium zu halten. Die Reben zeigten einen sehr gleichmäßigen Wuchs mit einem guten Fruchtansatz. In unseren steilsten Weinbergen haben wir zum ersten Mal Ouessant-Schafe zur Begrünungspflege eingesetzt. Damit sind wir sehr zufrieden, Mäharbeiten von Hand waren dadurch nicht mehr nötig.
Stéphane Singery: Für uns war das Weinjahr 2025, was den Anbau betrifft, eher entspannt. Stress hatten wir aber durch den Neubau unserer Kellerei in Erpeldange, die wir rechtzeitig vor der Ernte beziehen konnten. Der Vegetationsverlauf war problemlos. Unsere Anlagen zeigten aufgrund der ausreichenden Wasserversorgung einen mittleren Wuchs. Erfreulicherweise waren im Vergleich zum Vorjahr bedeutend weniger Pflanzenschutzmaßnahmen nötig. Auch unsere Junganlagen konnten sich sehr gut entwickeln.

Abbildung 1: Tunn Goedert und Michaela May von der Domaine 64 in Lintgen Foto: Domaine 64
Wie war der Ernteverlauf?
Tunn Goedert: Auch mit dem Ernteverlauf waren wir sehr zufrieden. Wir konnten bei allen Rebsorten unseren Zielertrag von 6000-7000 kg Trauben/ha erreichen. Auch die hohen Niederschläge im September beeinträchtigen die Traubengesundheit und Qualität nicht. Es trat so gut wie keine Fäulnis auf, so dass kaum selektiert werden musste.
Stéphane Singery: Wir haben die Ernte aufgrund der schnellen Reife früher als geplant begonnen. Auch die Erntemenge blieb ein wenig hinter unseren Erwartungen zurück. Aufgrund des nahezu perfekten Gesundheitszustandes konnten wir uns Zeit lassen und haben eine Woche länger gelesen als im Vorjahr.

Abbildung 2: Stéphane Singery von der Domaine Clos Jangli in Erpeldange Bild: Domaine Clos Jangli
Wie waren die Gärverläufe und wie präsentieren sich die Jungweine?
Tunn Goedert: Die Moste ließen sich problemlos klären und verarbeiten. Sie zeigten eine tolle Fruchtaromatik und ausgewogene Säurewerte. Die Gärungen verliefen sehr gleichmäßig und ohne Stockungen, lediglich der Riesling brauchte etwas länger. Der Ausbau der Weine läuft auch weiterhin in einer Zusammenarbeit mit Max Duhr von der Domaine Madame Aly Duhr in Ahn. Die Weine lagern zurzeit noch auf der Feinhefe. Filtration und Füllung sind für Anfang April geplant.
Stéphane Singery: Unsere Trauben ließen sich aufgrund des guten Gesundheitszustandes problemlos verarbeiten, auch die Gärungen verliefen sehr gleichmäßig und zügig. Wir sind begeistert von den Fruchtaromen, die die Jungweine sehr eindrucksvoll zeigen. Auch die etwas ausgeprägteren Säuren stören uns nicht, da sie unseren Weinen Länge und Struktur geben. Alles in allem sind wir mit dem Jahrgang sehr zufrieden und werden bald die ersten Weine auf die Flasche bringen.
Die Interviews führte Jörg Pauly (IBLA Weinbauberater).
