Biodiversität fördern und auf vielen Ebenen profitieren
Bienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber sind unverzichtbare Helfer in der Landwirtschaft – jedoch fehlt es ihnen an Nahrung und geeignetem Lebensraum. Grund dafür ist unter anderem der Mangel an vielfältigen Strukturen in modernen Agrarlandschaften. Der Rückgang der Insekten wirkt sich auch direkt auf die Landwirtschaft aus: Mehr als 70 % der Kultur- und Wildpflanzenarten sind auf die Insektenbestäubung angewiesen. Ohne die Bestäubung drohen Ernteausfälle. Die globale Nahrungsmittelversorgung ist daher nur mit Hilfe der Bestäuberleistungen zu gewährleisten.
Die Biodiversität in Luxemburg ist in einem kritischen Zustand. Zwei Drittel der geschützten Lebensräume und vier Fünftel der geschützten Arten von europäischer Bedeutung befinden sich in einem ungünstigen Erhaltungszustand. Der nationale Naturschutzplan (PNPN3) setzt daher verstärkt auf Maßnahmen, die die Biodiversität fördern und dabei helfen, Ökosysteme wiederherzustellen.
Die Etablierung von mehrjährigen Blühstreifen kann dazu beitragen, widerstandsfähigere und stabilere Ökosysteme zu schaffen und die Ökosystemleistungen von Insekten zu fördern. Neben der Bestäubung erbringen Insekten auch weitere wertvolle Leistungen für die Landwirtschaft. Nützlinge tragen wesentlich zu einer nachhaltigen Landwirtschaft bei, indem sie den Bedarf an chemisch-synthetischen Pestiziden durch biologische Schädlingskontrolle reduzieren können. Durch die Etablierung von Blühstreifen kann so mit Hilfe der Nützlinge eine Art natürlicher Pflanzenschutz aufgebaut werden.
Bodenlebewesen tragen durch das Zersetzen von abgestorbenen Pflanzenteilen zu einer kontinuierlichen Humusbildung und der Mineralisierung von Pflanzennährstoffen und damit zu fruchtbaren Böden bei. Durch ihre Aktivität im Boden sorgen sie für eine gute Durchlüftung und eine verbesserte Wasserinfiltration sowie ein gesteigertes Wurzelwachstum. Die Mikrofauna der Böden fördert den Nährstoffkreislauf.
Neben ihrer Funktion als Nahrungsquelle und Lebensraum dienen Blühstreifen auch dem Erosionsschutz. Durch die Wurzeln der Pflanzen wird der Boden stabilisiert und die Erosion durch Wasser und Wind wird verringert. Werden Blühstreifen in Agrarlandschaften integriert, können sie als Trittsteinbiotope fungieren und Lebensräume vernetzen. Dies ist nicht nur wichtig für Insekten, sondern auch für Vögel und Kleinsäuger, die in den von der Landwirtschaft geprägten Landschaften häufig nur wenig geeignete Lebensräume finden.

Abbildung 1: Im IBLA-Versuch wird die Mischung: „Luxemburger Buntbrache mehrjährig“ verwendet, die über das Naturschutzsyndikat SICONA bezogen werden kann Foto: IBLA
Landwirtinnen und Landwirte können demnach aktiv dazu beitragen, geeignete Habitate für Insekten zu schaffen und gleichzeitig von den positiven Effekten profitieren – langfristig kann durch die Schaffung von Blühstreifen eine Ertragssteigerung benachbarter Kulturen erreicht werden. In Luxemburg gibt es diverse Förderprogramme (Biodiv TL_3, Öko-Regelungen (512, 513), die sich auf den Umweltaspekt konzentrieren und die Förderung der Artenvielfalt unterstützen. Dazu gehört die Anlage von Blühstreifen auf landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen.
Aktuell ist durch die Maßnahmen vorgesehen, dass Blühstreifen einmal jährlich gemulcht werden. Das Mulchen von Blühstreifen birgt allerdings die Gefahr, dass notwendige Nist- und Überwinterungshabitate von Insekten verlorengehen. Insbesondere das Herbstmulchen könnte den Schlupf von Insekten im Frühjahr negativ beeinflussen und die positiven Effekte von Blühstreifen reduzieren. Das IBLA untersucht daher in einem zweijährigen Forschungsprojekt (gefördert durch Œuvre Nationale), welchen Einfluss das Mulchen von Blühstreifen auf den Schlupf von (Nutz-)Insekten hat und welcher Zeitpunkt optimal ist. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Nützlingen. Ziel ist es, herauszufinden, ob angepasste Pflegemaßnahmen die positiven Effekte von Blühstreifen steigern können.
Autorin: Tabea Theis